• TAVOLA ROSA BASEL

Was habe ich falsch gemacht?

Aktualisiert: 13. Apr.

Liebe Leserin! Kommt Euch dieser Satz bekannt vor? Nach meiner Diagnose im Juli 2018 habe ich alle Gedanken und Gefühle erstmal ganz weit weggeschoben. Ich wollte dem Krebs nicht die Hoheit über mein Leben geben und in einen schwarzen Strudel versinken. Für mich war es wichtig, möglichst viele wissenschaftlich fundierte Informationen zu sammeln. Was nutzt man da als moderner Mensch? Dr. Google. Über diese Erfahrungen möchte ich ein anderes Mal berichten. Heute geht es mir darum, was einige der gefundenen Informationen sowie achtlos dahingeworfene Bemerkungen meiner Mitmenschen bei mir ausgelöst haben. Ich bin selbst schuld!


Natürlich hat das niemand gesagt. Es stimmt ja auch nicht. Aber dieser nagende Gedanke war auf einmal da. Ungelöste Konflikte, die Zigaretten meiner Jugend, gefeierte Partys, schlaflose Nächte, zu viel Süssigkeiten, zu viel Fastfood, zu viele Langstreckenflüge, zu wenig Sport, zu wenig Gemüse oder war es nur zu wenig grünes Gemüse, zu viel Stress im Büro mit zu vielen Überstunden, zu wenig Meditation und innere Einkehr - die Liste lässt sich endlos und beliebig fortsetzen mit zum Teil wirklich absurden Ideen. Mein Favorit ist immer noch der Kaffeeeinlauf zur Vorbeugung, den ich nicht gemacht habe. Was allen gemein ist? Es ist Quatsch. Absoluter Quatsch. Und jeden, der uns einreden will, wir sind auch nur ein kleines bisschen Schuld, sollten wir achtsam und liebevoll aus unserem Leben verabschieden. Und jede Webseite, die das suggeriert, sofort schliessen. Was mir geholfen hat? Ein Gespräch mit dem Psychoonkologen. Er bat mich, ihm genau zu erklären, wie das Stückchen Schokolade oder das Glas Wein zu meiner Erkrankung geführt hat. Ich habe es 15 Minuten versucht, und er hat immer wieder nachgehakt. Ich konnte NICHT. Weil ich nicht schuld war und bin. Es sind immer viele Faktoren, die zusammenkommen, und wie so oft im Leben einfach auch eine Portion Pech. Das Bild, welches wir gemeinsam erarbeitet haben, ist der Freispruch ‚Im Zweifel für den Angeklagten‘. Für mich funktioniert das, wenn ich Momente habe, in denen der Gedanke aufkommt. Interessanterweise habe ich gestern mit einer Bekannten gesprochen, die sich die gleiche Frage stellt - allerdings hat sie ein Bandscheibenleiden in sehr jungen Jahren. In diesem Sinne wünsche ich Euch einen wundervollen April und hoffe, dass Ihr einen positiven Weg findet, mit solchen Gedanken umzugehen. Melanie

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